Leberegel
Der Große Leberegel (Fasciola hepatica) kann in der Schaf- und Ziegenhaltung erhebliche Probleme bereiten. Er verursacht bei Schafe und Ziegen häufig akute klinische Erkrankungen, bei massivem Befall sind Todesfälle möglich. Aber auch subakute oder chronische subklinische Verläufe sind möglich, die mit Leberschädigungen und Störungen im Gesamtorganismus und deren Folgen wie Leistungsminderung und Fruchtbarkeitsstörungen einhergehen. Der Kleine Leberegel (Dicrocoelium dendriticum) verursacht meist keine deutlichen klinischen Symptome, verursacht aber auch wirtschaftliche Einbußen.
Großer Leberegel
(Fasciola hepatica)

Lebenszyklus
Leberegel haben eine Entwicklung mit Zwischenwirt(en).
Erwachsene Leberegel leben in den Gallengängen der Schafe/ Ziegen (oder anderer Wirte, wie Rinder, Wildtiere, Pferde, Mensch). Dort legen sie Eier, die unregelmäßig mit dem Kot des Wirtes ausgeschieden werden.
Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die aktiv in den Zwischenwirt (Zwergschlammschnecke) eindringen. Die sich dort entwickelnden Schwanzlarven verlassen die Schnecke wieder, um sich als Kapsellarven an Pflanzen anzuheften. Diese werden vom Wirt aufgenommen, gelangen in den Magen-Darm-Trakt, wo die jungen Leberegel ihre Hülle verlassen, in die Leber eindringen und dort sechs bis acht Wochen im Gewebe wandern. Am Ende der Wanderphase brechen die Leberegel in die Gallengänge ein, wo sie nach endgültigem Erreichen der Geschlechtsreife Eier produzieren. Die Zeit von der Aufnahme der Kapsellarve bis zur Eiausscheidung dauert beim kleinen Wiederkäuer rund 2,5-3 Monate.
Das Vorkommen des Parasiten ist also an die amphibisch lebende Zwergschlammschnecke Galba truncatula gebunden. Ihr Vorkommen wiederum hängt von Wasser, Licht und Temperatur sowie der Bodenart ab. Bevorzugte Böden sind schwere, glatte, feste Tonböden. In Gebieten mit hohem Grundwasserspiegel entstehen ideale Lebensräume. Feuchte Wiesen und Senken, aber auch Flächen seitlich von Gräben, Bächen und Wassertrögen, nur zeitweise vorhandene Tümpel und wassergefüllte Trittsiegel oder Reifenspuren können diesen Zwischenwirt beherbergen. Die Schnecken sind meist von März bis September aktiv. In dieser Zeit vermehren sich die Leberegel in den Schnecken. Die Kapsellarven sind sehr widerstandsfähig.

Immunität: Es kommt nur zur Ausbildung einer Teilimmunität, so dass auch ältere Tiere Leberegel beherbergen können.
Klinisches Bild: Kleine Wiederkäuer können an den Jungegeln, die durch das Lebergewebe und durch die Darmwand wandern, schwer und akut erkranken. Todesfälle sind möglich. Am häufigsten erkranken Schafe und Ziegen ab September und zeigen dann eine schnell fortschreitende Verschlimmerung der Symptome wie: Appetitmangel, Apathie, Blutarmut, Ödeme, Gelbsucht, Durchfall und Kümmern. Chronisch infizierte Alttiere können die Weiden sowohl im Sommer als auch im Winter stark kontaminieren, sodass nachfolgende Wiederkäuer schwer erkranken. Bei subakutem oder chronischem Verlauf fallen die Tiere durch Mattigkeit, wechselndem Appetit, struppiges Haarkleid/ Haarausfall, Abmagerung, Kehlgangsödeme ( „Flaschenhals“) und gelegentlich Gelbsucht auf, Leberschädigungen sind im Blutbild nachweisbar. Auch bei subklinisch infizierten Tieren führt die Leberschädigung zur Leistungsminderung.
Diagnose: Kotproben: Die Eier können frühestens nach 8 (Schaf) bzw. 9 (Ziege) Wochen mittels Sedimentationsverfahren im Kot nachgewiesen werden. Da die Eier nicht kontinuierlich ausgeschieden werden, sind die Ergebnisse oft falsch negativ (d.h. obwohl keine Eier gefunden wurden, liegt ein Befall vor). Deshalb sollten mindesten 5-10% der Herde untersucht werden.
Ein Schlachtbefund oder ein Obduktionsbefund mit Nachweis der Leberegel in der Leber haben den besten Aussagewert.
Der Antikörpernachweis im Blut (ELISA) ermöglicht schon zwei Wochen nach der Infektion eine Diagnose.
Behandlung: Die Therapie erfolgt mit geeigneten Entwurmungsmitteln, wobei auf die unterschiedliche Wirkung gegen jugendliche Stadien geachtet werden muss. Nur der Wirkstoff Triclabendazol wirkt gegen diese, jedoch treten Anthelminthikaresistenzen zunehmend häufig auf.
Vorbeugung:
Vorbeugend gegen Leberegelbefall wirkt das Trockenlegen oder Auszäunen (mindestens 2,00 m vom Rand der Feuchtstelle) der Habitate der Zwergschlammschnecke.
Grünfutter, das von betroffenen Flächen gewonnen wird, sollte idealerweise konserviert verfüttert werden. Im Heu können Kapsellarven bis zu sechs Monate überleben. Dabei spielt die Feuchtigkeit bei der Gewinnung, die Selbsterhitzung, der Zutrag von Feuchtigkeit während der Lagerung sowie der Trocknungsgrad insgesamt eine Rolle. Trockenheit und Sonneneinstrahlung töten die Larven innerhalb von 2-4 Wochen ab, ebenso hohe Temperaturen über 30 °C, deshalb ist bei Heißlufttrockung von Grünfutter eine sehr geringe Infektionsgefahr zu erwarten. Silage: Bei korrekter Milchsäuregärung gehen die ansteckungsfähigen Larven des großen Leberegels innerhalb von zwölf Tagen zugrunde.
Durch die Behandlung der infizierten Schafe/ Ziegen im Winter wird die (zusätzliche) Kontamination der Weiden im nächsten Frühjahr verhindert. Alle potenziellen Wirte (z.B. auch Rinder auf Nachbarweiden) sollten einbezogen werden. Ziel der Maßnahmen ist eine Unterbrechung der Lebenszyklen der Egel. Dies kann z.B. auch dadurch geschehen, dass während der Schneckensaison die Tiere maximal 8 Wochen auf Flächen, auf denen Schnecken vorkommen, bleiben und danach auf Weiden kommen, die keine Schneckenhabitate bieten. Da die Entwicklung der Egel in der Schnecke mindestens 8 Wochen dauert, wird der Zyklus unterbrochen, wenn nach dieser Zeit keine Endwirte im Habitat weiden. (mehr dazu in der Broschüre zur Leberegelbekämpfung beim Rind: https://www.wdk.vetmed.uni-muenchen.de/forschung/fasciola_hepatica/fluke.pdf)
Zukaufstiere sollten in Quarantäne untersucht und behandelt werden (Weidegang frühestens 4 Wochen nach Behandlung).
Kleiner Leberegel
(Dicrocoelium dendriticum)

Lebenszyklus: Auch der kleine Leberegel hat eine Entwicklung mit Zwischenwirten, in diesem Fall Schnecken (meist Schnirkelschnecken) und Ameisen. Die befallenen Ameisen beißen sich am Gras fest und werden so von den Weidetieren mit aufgenommen. Nach 50-80 Tagen haben sich die Egel im Wirt (diverse Säugetiere, Mensch) in den Gallengängen eingenistet und beginnen mit der Eiablage.
Klinisches Bild: Meist subklinisch mit Leistungsdepression. Massiver Befall kann zu schweren Verläufen mit Todesfällen führen.
Diagnose: Kotproben: Die Eier können frühestens nach 8 (Schaf) bzw. 9 (Ziege) Wochen mittels Sedimentationsverfahren im Kot nachgewiesen werden. Da die Eier nicht kontinuierlich ausgeschieden werden, sind die Ergebnisse oft falsch negativ (d.h. obwohl keine Eier gefunden wurden, liegt ein Befall vor). Deshalb sollten mindesten 5-10% der Herde untersucht werden.
Ein Schlachtbefund oder ein Obduktionsbefund mit Nachweis der Leberegel in der Leber haben den besten Aussagewert.
Behandlung: Die Therapie ist schwierig, da Entwurmungsmittel nur eine Teilwirkung besitzen, d.h. nur die Befallsstärke mindern können.
Vorbeugung: Vermeiden von Weideflächen mit hoher Ameisen- und Schneckendichte, vor allem morgens und bei trübem Wetter.