Lebenszyklus

  1. Sofort nachdem die Rinder am Ende des Winters auf die Weide kommen, nehmen sie mit dem Gras die infektiösen Larven auf, die auf der Weide überwintert haben.
  2. Im Magen-Darm-Trakt entwickeln sich in etwa 3 Wochen aus diesen infektiösen Larven die erwachsenen Würmer und beginnen mit der Eiablage. Zweitsömmrige Jungrinder können entwicklungsgehemmte Larven aus dem letzten Herbst beherbergen, die am Ende des Winters ihre Entwicklung im Rind fortsetzen und gelegentlich auch Krankheitserscheinungen hervorrufen (Winterostertagiose). Diese Rinder scheiden dann bereits bei Weideaustrieb Eier aus.
  3. Die MDS-Eier werden mit dem Kot ausgeschieden. Die Zeit von der Aufnahme der infektiösen Larven bis zur Ausscheidung der neuen Wurmeier wird Präpatenzzeit genannt und dauert ungefähr 3 Wochen.
  4. Im Kuhfladen auf der Weide schlüpfen aus den MDS-Eiern die ersten Larvenstadien (L1), die sich über das zweite Larvenstadium (L2) zur infektiösen, dritten Larve (L3) entwickeln. Dieser Entwicklungsprozess ist stark temperaturabhängig und dauert im Frühjahr und Herbst aufgrund der niedrigeren Temperaturen länger als im Sommer. Bei optimalen Bedingungen können 7 bis 10 Tage ausreichen. Im Winter findet keine Entwicklung statt, aber die vorhandenen L3 überwintern.
  5. Die Larve 3 wandert aktiv oder gelangt passiv aus dem Kuhfladen auf das umliegende Grünland. Dazu benötigt sie allerdings eine gewisse Feuchtigkeit in der Umgebung. Die Larvenentwicklung und Wanderung dauert in durchschnittlichen norddeutschen Sommern ca. 4-5 Wochen. Wenn es sehr heiß ist, kann es eine Woche schneller gehen. Bei sehr trockenem Wetter bleiben die Larven solange in den Kuhfladen, bis es anfängt zu regnen.
  6. Die Larve 3 kann gut einige Monate auf der Weide überleben. Mit fallenden Temperaturen wird ihre Überlebenszeit noch länger, da sie in eine Stoffwechselstarre fällt, sodass sie in einem inaktiven Stadium überwintert. Im Frühling, wenn die Temperaturen steigen, wird sie wieder aktiv und beginnt ihre Energiereserven aufzubrauchen. Wird sie nicht rechtzeitig von Rindern aufgenommen, stirbt sie ab. Je später die Jungtiere auf die Weide kommen, desto weniger infektiöse Larven aus dem Vorjahr haben auf der Weide überlebt. Unterstützt werden kann dieses natürliche Absterben durch das Mähen der Weide vor dem Austrieb, da auch die UV-Strahlung der Sonne bei kurzem Aufwuchs die verbleibenden L3 dezimiert.

Der Lebenszyklus der Arten Nematodirus helvetianus, Nematodirus battus, Strongyloides papillosus, Trichuris spp. und Bunostomum phlebotomum weicht von dem hier Gezeigten ab. Da diese Würmer aber bei Rindern in Deutschland keine bedeutende Rolle spielen, werden deren Details hier nicht dargestellt.