Resistenzen vorbeugen

Bei Schafen und Ziegen sind Einbußen bei der Wirksamkeit von Entwurmungsmitteln (Antihistaminika) weltweit und auch in Deutschland wiederholt nachgewiesen.

Um das Entstehen von Resistenzen gegen Wurmmittel innerhalb der Wurmpopulationen zu vermeiden, ist darauf zu achten, dass das Wurmmittel

  • ausreichend dosiert wird. Das schwerste Tier einer Altersgruppe sollte gewogen und die errechnete Dosierung für alle Tiere dieser Altersgruppe verwendet werden. Man sollte die höhere Mengenangabe auf dem „Waschzettel“ wählen. Bei Ziegen sind ggf. höhere Dosierungen, als sie vom Hersteller empfohlen werden, sinnvoll. Bitte fragen Sie Ihren Tierarzt.
  • Es ist darauf zu achten, dass bei oraler Gabe auch wirklich das gesamte Wurmmittel geschluckt wird und die Drenchpistolen genau arbeiten. Wenn ein Tier zu wenig ab bekommen hat, erneut voll dosieren. Vergiftungen sind bei den zugelassenen Wurmmitteln so nicht möglich.
  • Sollten Sie eine Pour-On-Behandlung mit einem für Rinder zugelassenen Mittel erwägen, müssen sie beim Einzeltier das Haarkleid scheiteln, die Tiere fixieren und fixiert lassen bis das Mittel in die Haut eingezogen ist.
  • Bei genüchterten Ziegen soll der Drench besser wirken.

Behandelte Tiere müssen gekennzeichnet werden.

In allen Fällen sollte einige Tage (in Abhängigkeit des eingesetzten Wirkstoffs) nach der Entwurmung eine geeignete Sammelkotprobe untersucht werden, um den Erfolg der Wurmkur zu kontrollieren und eventuell vorhandene Wirksamkeitseinbußen zu erkennen. Bei Nichterfolg muss mit einem Präparat aus einer anderen Wirkstoffgruppe nachbehandelt werden und dessen Erfolg wiederum kontrolliert werden.

Wenn man grundsätzlich 5 % der Herde nicht entwurmt, wird die Resistenzentwicklung durch einen starken Verdünnungseffekt verzögert.

Es hat sich als sinnvoll erwiesen nicht die ganze Herde sondern nur einzelne Tiere gezielt zu behandeln (targeted selective treatment, TST). In der Regel erkranken bestimmte Tiere immer wieder hochgradig, während die anderen Tiere der Herde eine moderate Eiausscheidung aufweisen. Es hat sich gezeigt, dass der größte Teil der Wurmeier nur von wenigen Tieren ausgeschieden werden. Die stark verwurmten Tiere fallen auf durch Krankheitssymptome wie Abmagern, struppiges Haarkleid, Müdigkeit und ggf. Durchfall. Auch die Leistung kann Hinweise geben. Man weiß, dass z.B. Ziegen in der ersten Laktation und auch die besonders hochleistenden Ziegen stark gefährdet sind. Wurden nur diese zwei Gruppen zur Behandlung heraussucht, konnte kein Leistungsverlust im Vergleich mit einer komplett entwurmten Milchziegenherde festgestellt werden. Durch die selektive Einzeltierbehandlung kann dem Auftreten weiterer Resistenzen vorgebeugt und der Einsatz von Anthelminthika reduziert werden.

Eine weitere Möglichkeit, behandlungsbedürftige Tiere herauszufinden ist die FAMACHA©-Karte. Die Blässe der Lidbindehäute, verglichen mit einer Farbkarte, zeigt unterschiedliche Stadien von Anämie an und wäre somit ein Indikator für hochgradigen Befall mit Hämonchus contortus. In Südafrika konnten mit dieser Methode gute Erfolge erzielt werden, während in Deutschland die Methode nicht so geeignet ist, da trotz Verwurmung eine ausgeprägte Anämie fehlen kann und das notwendige, 14-tägige Screening aller Tiere sehr aufwendig ist.

Durch effektive Quarantänemaßnahmen verhindert man, dass resistente Würmer eingeschleppt werden. Dazu

  • alle hinzukommenden Tiere (Böcke, Jungziegen, Hobbyziegen und-schafe auch Rückkehrer vom Besuch in einer anderen Herde) sofort nach der Ankunft aufstallen und entwurmen (großzügigst dosieren , Wirkstoffe: Monepantel oder Moxidectin haben noch die höchste Wirksamkeit), dann
  • 2 Wochen aufgestallt lassen auf festem Untergrund wie Beton, damit kein Kot auf die Weide abfließen kann. Achtung Schuhe wechseln! Der dort produzierte Mist darf nicht auf Weiden gelangen sondern muss auf den Acker.
  • Kontrollkotproben am 10. und 14. Tag nach der Behandlung. Am besten von Einzeltieren. Wenn das nicht möglich ist, fassen Sie ca. 5 Tiere zu einer Gruppe zusammen und kennzeichnen sie diese eindeutig gegenüber den anderen Entwurmungsgruppen. Die Kotuntersuchung sollte nicht die einzelnen Eier zählen, sondern die Frage beantworten „Sind Eier vorhanden oder nicht?“. Gegebenenfalls erneut entwurmen mit anderem Wirkstoff und wieder die Wirksamkeitskontrolle abwarten.

Außerdem sind für alle Besucher (Lieferanten, Tierärzte etc.) Biosicherheitsmaßnahmen (Überschuhe) angezeigt.