Alternativen

Im Allgemeinen sind die bisher untersuchten alternativen Behandlungsansätze entweder nicht wirksam, nicht praktikabel oder nicht zulässig. Abgesehen von der Zuchtwahl und dem FAMACHA©-Test wird keine Methode wirklich angewandt. Es ist in den letzten Jahren durchaus in diese Richtung geforscht worden, aber bisher konnte ein praxisreifes Verfahren nicht entwickelt werden. Im Folgenden werden Beispiele vorgestellt.

Kondensierte Tannine

Lespedeza cuneata, Buschklee (© H. Zell/Wikipedia)

Gerbstoffhaltige Pflanzen in der Ration haben nachweislich zu Eizahlreduktion und verbesserter Gewichtsentwicklung geführt. Allerdings sind dann die Anteile in der täglichen Ration derartig hoch, dass das Futter nicht ausreichend akzeptiert wird, wenn die Tiere eine Wahl haben. Neue Versuche mit Buschklee (Lespedeza cuneata) haben widersprüchliche Ergebnisse ergeben.

Biologische Bekämpfung

Schematische Darstellung der MDS-Larven im Netz der Pilzhyphen (© )

Das Prinzip beruht auf der Förderung der räuberischen Mikro-Pilze im Kothaufen. Die Sporen einer besonders geeigneten Art (Duddingtonia flagrans) werden täglich zugefüttert, sodass jeder Kothaufen "geimpft" ist. Die aus den MDS-Eiern schlüpfenden Larven werden von den Pilzhyphen eingefangen und abgetötet. Leider haben Praxisversuche an Schafen und Ziegen sehr widersprüchliche Ergebnisse erbracht. Zurzeit werden die Sporen nicht mehr hergestellt.

Kupfer Bolus

Die Absenkung des pH-Wertes durch Kupfer-Ionen, die von einem Bolus im Labmagen abgegeben werden, vermindert effektiv die Wurmbürde bei Haemonchus contortus. Allerdings steigt auch der Kupfergehalt der Schafleber an. An Ziegen ist die Kupferbelastung noch nicht untersucht worden. Der Bolus ist in Deutschland nicht zugelassen und darf nicht verabreicht werden.

Pflanzliche Entwurmungsmittel

Viele Pflanzen mit wurmtötenden oder wurmabtreibenden Wirkstoffen (wie z.B. Kamala, Rainfarn, Wurmfarne) haben derartig gravierende Nebenwirkungen auf das Wirtstier, dass diese Mittel obsolet sind. Außerdem müssen auch pflanzliche Medikamente gesetzlich zugelassen sein, wenn sie bei einem Nutztier angewendet werden sollen. Pflanzliche Entwurmungsmittel sind in Deutschland derzeit nicht zugelassen.

Genetik

Der Königsweg wäre ein züchterischer Erfolg bei der Endoparasitenbekämpfung. Viele indigene Rassen sind weit weniger MDS-empfindlich, als die Hochleistungsrassen. Es gibt seit einigen Jahren Schafbocklinien in Australien/Neuseeland, die eine verbesserte Widerstandkraft gegen MDS vererben, allerdings treten durch die vergleichsweise hohe Wurmbürde auch Leistungseinbußen auf.

Therapeutische Weide

Hedysarum coronarium , Kronensüßklee, Spanische Esparsette (© Giancarlo Dessì/Wikipedia)

Manche Futterpflanzen wie z.B. Esparsette, Hornklee, Chicorée haben eine positive Wirkung gezeigt, aber es gibt auch anderslautende Ergebnisse. Empfehlungen solche Pflanzen in die Aussaat zu nehmen oder als Reinsaat kurzfristig wie eine Weide zu nutzen sind bisher über den experimentellen Ansatz nicht hinausgekommen.

FAMACHA© Karte

Kontrolle der Farbe der Lidbindehäute (© Thünen-Institut)

Ein schwerer Befall mit Hämonchus contortus ist gekennzeichnet durch den Blutverlust, der durch das Saugen der Würmer an der Darmschleimhaut und das Nachbluten an den Saugstellen entsteht. Infolgedessen kommt es zu einer Blutarmut (Anämie), deren Schweregrad an den Lidbindehäuten der Augen zu erkennen ist. Je stärker die Anämie umso blasser bis porzellanweiß werden die Lidbindehäute. Anhand des Vergleichs der Farbe der Lidbindehäute mit den Farbangaben auf der FAMACHA© -Karte kann auf den Grad der Anämie geschlossen werden. Die Farbskala reicht von Grad 1 (normal) bis Grad 5 einer schweren Anämie. Ab Grad 3 wird eine Behandlung angeraten. Die Karte ist ursprünglich für Schafe in Südafrika entwickelt worden, wird aber dort auch bei Ziegen erfolgreich angewendet.

Die FAMACHA©-Karte ist praktisch, da sie jeder Landwirt einfach und ohne großen materiellen Aufwand einsetzen kann. Allerdings muss alle 2 Wochen die gesamte Herde untersucht werden, um kranke Tiere rechtzeitig herauszufiltern. Unter norddeutschen Verhältnissen war die Anämie nicht deutlich genug ausgeprägt, so dass dieser Test nicht ausreichend war zur Feststellung der Behandlungsnotwendigkeit.

Da durch die FAMACHA©-Karte nur Anämien erkannt werden können, ist sie nur zu Detektion von H.contortus geeignet. Für alle anderen MDS ist sie kein Indikator.

Die Original-Karte ist erhältlich, wenn man einen online-Kurs (englisch) absolviert hat   http://web.uri.edu/sheepngoat/famacha/