Monitoring ist die Feststellung der Höhe der Eiausscheidung (EPG) durch Kotuntersuchung einer Herdensammelprobe und die Kontrolle des Allgemeinbefindens der Herde. Es ist ein Hilfsinstrument der Herdengesundheitsüberwachung. Außerdem sollten regelmäßig und insbesondere bei jedem Termin, an dem im Entscheidungsbaum ein "Monitoring" angeraten wird, auch der Allgemeinzustand (z.B. Durchfall, Schlappheit, struppiges Fell) und der Ernährungszustand der Tiere kontrolliert werden.

Warum Monitoring?

Das Monitoring bietet die Möglichkeit durch eine Überwachung der Eiausscheidung im Kot, den Einsatz von Anthelminthika auf das erforderliche Maß zu begrenzen. Das Monitoring hilft, den Grad der Verwurmung in der Schafherde abzuschätzen und damit auch den Grad der Kontamination der Weide durch die Herde. Ist die Kontamination der Weideflächen bekannt, kann der Wurmproblematik gezielt begegnet werden. Trotz der Unwägbarkeit, die mit der Interpretation von Ergebnissen der Eizählung verbunden ist, schafft die regelmäßige Untersuchung von Herdensammelproben während der Saison und über Jahre hinweg eine gute Grundlage für die gezielte Wurmbekämpfung und eine Reduktion der Kontamination der Weideflächen.

Der Entscheidungsbaum ist darauf ausgerichtet, das Auftreten von Durchfallerkrankungen und Blutarmut, die durch Endoparasiten verursacht werden, zu verhindern. Die Ratschläge basieren auf dem Prinzip der größtmöglichen Sicherheit.

Die ökologische Landwirtschaft erlaubt den Einsatz von Anthelminthika nur zur Heilbehandlung, keine medikamentöse Prophylaxe. Das Monitoring ist ein geeignetes Mittel, um den gezielten Einsatz von Medikamenten für die Therapie zu begründen, wenn das Weidemanagement nicht im angestrebten Maße geändert werden kann.

Wann wird das Monitoring durchgeführt?

Diverse Eier, Luftblasen (© )

Nach Austrieb besteht für wenige Wochen lang ein starker Zusammenhang zwischen dem Anfangsinfektionsdruck und der Anzahl der ausgeschiedenen Eier im Kot (EPG). In dieser Periode kennzeichnet die durchschnittliche EPG der Herde den voraussichtlichen Grad der Kontamination der Weide mit Wurmlarven. Der Entscheidungsbaum berücksichtigt bei seinen Empfehlungen zur Untersuchung von Kotsammelproben (Monitoring) solche Zusammenhänge. Zum Beispiel:

Wenn Schafe auf eine kontaminierte (unsichere Weide) kommen, ist ein frühes Monitoring sehr wichtig. Allerdings sind mindestens 3 - 4 Wochen nach dem Austrieb abzuwarten, da es 2 - 3 Wochen dauert, bis die ersten Eier im Kot (Präpatenz) erscheinen. Genaueres teilt Ihnen der Entscheidungsbaum mit.
Nach einer Entwurmungsbehandlung wartet man also nach Ende der Wirkdauer des Präparates 3 Wochen ab, bevor man wieder mit dem regelmäßigen Monitoring beginnt. Die Wirkdauer der Arzneimittel ist sehr unterschiedlich. Der Tierarzt, von dem Sie das Entwurmungsmittel beziehen, teilt Ihnen diesen Zeitpunkt mit. Während bei manchen Kurzzeitanthelminthika praktisch sofort wieder eine neue Infektion möglich ist und ca. 3 Wochen später die ersten MDS-Eier erscheinen, kann dies bei den Langzeitanthelminthika wesentlich länger dauern.

Sehr wichtig ist die Kontrolle der Wirksamkeit nach der Behandlung. 8 - 10 Tage nach Benzimidazol und 14 bis maximal 17 Tage nach dem Einsatz von makrozyklischen Laktonen sollte eine Kotuntersuchung zur Kontrolle der behandelten Tiere stattfinden. Dies ist ganz besonders wichtig bei Behandlungen in der Quarantäne.

Welche Tiere?

Bei den Schafen muss man besonders die Lämmer, die Weidegang haben, aufmerksam beobachten. Die Proben sollten jeweils nur aus einer Altersgruppe stammen. Die Lämmer sind getrennt von den Muttertieren und anderen Altschafen (z.B. der Bock) zu untersuchen. Es sollten nicht ausschließlich durchfallkranke Tiere sein, da hier häufig keine Eiausscheidung nachweisbar ist.
In den meisten Fällen werden nur die Lämmer untersucht. (Ausnahme: Monitoring der Muttern vor Austrieb).

Wie?

Monitoring einer Herde bedeutet, dass Sie eine Sammelprobe ziehen aus möglichst frisch abgesetztem Kot von zufällig ausgewählten Jungtieren (nicht ausschließlich solche Tiere auswählen, die gerade Durchfall haben, weil dann oft eine Eiausscheidung nicht nachweisbar ist). Bei der Probennahme möglichst keinen Schmutz mitnehmen, da z.B. Eier/Larven von Würmern, die in der Erde leben, den Befund verzerren könnten. Bandwurmglieder im Kot sehen bedrohlich aus, aber sie sind für die Auswahl der Kotprobe unwichtig und sollten nicht mit in die Sammelprobe gelangen. Die Anzahl der Tiere, die in die Sammelprobe eingehen, richtet sich nach der Gruppengröße und dem vermuteten Befall. Von z.B. 20 Tieren, von denen vermutlich mehr als die Hälfte infiziert ist, sollten 4 bis 8 Tiere beprobt werden. Von einer Herde von 500 Tieren sollten ca. 30 (am besten 2 Sammelproben à 15 Tiere) beprobt werden, wenn man sicher sein will, dass der größte Teil der Herde keine Eier ausscheidet. Die Menge des Kotes bei Sammelproben sollte pro Tier ca. 1 Teelöffel oder 3 Pellets betragen (Einzeltierproben: ca. 1 Esslöffel). Füllen Sie die Proben zusammen in einen festen Plastikbeutel und durchmengen Sie sie gründlich. Schließen Sie den Beutel so, dass möglichst wenig Luft darin verbleibt.
Versenden Sie die Probe am selben Tag sicher verpackt an ein Labor oder einen Tierarzt, der quantitative Kotuntersuchungen durchführt. Die Probe muss das Labor an einem Werktag erreichen! Wenn die Probe gelagert wird, müssen Kühlschranktemperaturen (+4° bis +9° C) eingehalten werden. NICHT einfrieren, denn beim Auftauen zerfallen die Wurm-Eier und können nicht mehr gezählt werden.

Der Probenbegleitschein sollte folgende Angaben enthalten:

Name und Adresse des Tierhalters Frau Mustermann aus Trenthorst
Standort der Weide Buschkoppel
Tag der Probennahme 01.08.2011
Tierart/Name der Herde, Alter der Tiere Lämmer
Anzahl der beprobten Tiere, Anzahl der Tiere in der Herde 8 von 20
Grund der Untersuchung Vorsorge
Gewünschte Untersuchung Bestimmung der MDS-Eizahl pro Gramm Kot

Die Probe muss stabil verpackt sein z.B. in doppelten Untersuchungshandschuhen oder verknoteten Gefrierbeuteln, jeweils mit Umkarton oder in unzerbrechlichen Plastikgefäßen. Die Außenverpackung sollte eindeutig beschriftet sein. Getrennt von der eigentlichen Probe sollte der Probenbegleitschein (s.o.) mitgeschickt werden, damit er nicht verschmutzt.

Das McMaster-Verfahren ist die etablierte Zählmethode zur Bestimmung der EPG. Die meisten Labore in Deutschland verwenden halbquantitative Verfahren mit denen die Menge der Eier abgeschätzt wird, anstatt sie zu zählen (z.B. ein kombiniertes Sedimentations- und Flotationsverfahren). Das Ergebnis lautet dann z.B. "0" für einen negativen oder "+" für leichten oder "++" für mittleren Befund usw.
In diesem Fall lassen Sie sich vom Labor mitteilen, welcher Befund dem Grenzwert von 500 EPG entspricht.
Neben den MDS-Arten, die anhand ihrer Eier nicht voneinander unterschieden werden können, werden die Nematodirus-Eier, Kokzidien-Oozysten, Stadien anderer Wurmarten und ggf. Leberegeleier gesondert gezählt und aufgeführt.

Interpretation der Ergebnisse

Der im Entscheidungsbaum genannte Grenzwert ist ein Erfahrungswert mit einer Sicherheitsmarge, der sich bei einem hohen Anteil von Hämonchus contortus an der Wurmbürde bewährt hat. Ist Teladorsagia circumcincta das Hauptproblem, sollte der Grenzwert gegebenenfalls niedriger angesetzt werden. Der Grenzwert gilt sowohl für Lämmer als auch für Alttiere. Haben die Betriebe Erfahrungen gesammelt, kann der Grenzwert angepasst werden. Ist Nematodirus battus der relevante Parasit, sollte man einen Grenzwert für diesen Parasiten von EPG > 100 in Betracht ziehen.

Herden Ei Index im Kot: EPG > 500
bedeutet: es sind mehr als 500 MDS-Wurmeier in einem Gramm Frischkot und damit ist die Eizahl pro Gramm Frischkot (EPG) in der Herdensammelprobe größer als 500. Dies ist der Grenzwert und ein Hinweis auf einen moderaten bis hohen Grad der Kontamination bzw. des Befalls. Die Tiere sollten wie im Entscheidungsbaum empfohlen behandelt werden.
Sollte Ihr Labor keine Eizählung durchführen sondern die Ergebnisse halbquantitativ abstufen (z.B. „leicht“, „mittel“, „schwer“ oder „+“, „++“ und „+++“), bitten Sie darum, dass seitens des Labors festgelegt wird, welcher Befund einer Eizahl von 500 EPG entspräche.


Herden Ei Index im Kot: EPG ≤ 500
bedeutet die MDS-Eizahl pro Gramm Frischkot (EPG) in der Herdensammelprobe ist kleiner oder gleich 500.
Es besteht kein Anhaltspunkt für einen moderaten bis hohen Grad an Kontamination oder Befall. Das bedeutet, dass eine Behandlung ist erst einmal NICHT notwendig. Den Empfehlungen des Entscheidungsbaums folgen. Wiederholen Sie das Monitoring wie im Entscheidungsbaum empfohlen.
Wenn es keine Möglichkeit gibt, das Monitoring zu wiederholen, kann das Auslassen einer Behandlung nicht empfohlen werden.

 

Bei extensiver Haltung und Wanderschafhaltungen ist der Schwellenwert von 500 EPG höchst wahrscheinlich zu vorsichtig gewählt. Die Betriebe werden sich hier individuell an geeignete Grenzwerte herantasten müssen.