Weiter zum Inhalt

Diagnostik und Monitoring bei Rindern

Diagnostik 

Mit einer Kotuntersuchung können Sie mittels eines kombinierten Testverfahrens (Flotation, Sedimentation und Trichterauswanderverfahren nach Baermann-Wetzel) die wichtigsten Wurmarten finden.

Untersuchungen auf Endoparasiten können nicht nur bei Jungrindern sinnvoll sein, sondern beispielsweise auch in der Einzeltierdiagnostik bei Abmagerung, Durchfall oder bei schlechten Leistungen.

Weitere Informationen zu den Nachweismethoden für die einzelnen Wurmarten finden Sie im Folgenden sowie unter den jeweiligen Wurmarten und in der Tabelle Diagnostikverfahren). 

Monitoring

Zum Monitoring gehört in allererster Linie die tägliche Tierkontrolle: Fallen Tiere auf? Sehen Sie Abgeschlagenheit, Durchfall, struppiges Haarkleid, o.ä.?  Ist die Körperkondition der Tiere in Ordnung oder sind einige zu dünn? Bei Auffälligkeiten muss genauer untersucht werden.

Für das Monitoring der Belastung der Jungrinder mit Magen-Darm-Würmern (MDW) können Kotproben (quantitative Verfahren) genutzt werden. Sie sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren. Für Behandlungsentscheidungen sind klinische und Leistungsdaten sowie die Weidehistorie einzubeziehen. Für die Beurteilung der Belastung und des Managements können Blut- oder Milchuntersuchungen auf Ostertagia Antikörper nach der Weidesaison hilfreich sein. mehr erfahren


Diagnostik der verschiedenen Wurmarten

Magen-Darm-Würmer

Lungenwürmer

Leberegel

Pansenegel


Magen-Darm-Würmer (MDW) Rind

Quantitative Kotuntersuchung (Eizahlbestimmung) beim Rind

Magen-Darm-Würmer sind in allen Rinderbetrieben mit Weidegang vorhanden. Das Ziel der Diagnose ist es, die Parasitenbelastung der Tiere genau zu überwachen, damit geeignete Interventionen (z.B. Weidewechsel, gezielte Entwurmung usw.) ergriffen werden können. So sind Kotuntersuchungen auf Magen-Darm-Würmer (Magen-Darm-Strongyliden) wertvoll für das Monitoring der Parasitenbelastung bei erstsömmrigen Jungrindern und für die Wirksamkeitskontrolle nach einer Entwurmung. Diese sollten aber richtig durchgeführt und die Ergebnisse nicht isoliert interpretiert werden.

1. Grundsätzliches zur Probenahme

Alter, Rasse und Produktionsrichtung beeinflussen die Ergebnisse, sowie die beteiligten Wurmarten. Außerdem können die variablen Wetterbedingungen am selben Ort dazu führen, dass die Belastung der Weiden mit Parasitenlarven von Jahr zu Jahr stark variiert. Und der Zeitpunkt ist entscheidend: Im Laufe der Saison nimmt normalerweise die Belastung mit Parasitenlarven auf einer Weide, und damit das Risiko der nicht-immunen Rinder, zu. Am Ende ihrer ersten Weidesaison werden die meisten Jungrinder eine gewisse Immunität entwickelt haben und weniger Eier ausscheiden. Die Eizahl (Eier pro Gramm Kot, EpG) spiegelt ab diesem Zeitpunkt nicht mehr die tatsächliche Wurmbelastung im Tier wider, und andere Messungen (z. B. Gewichtszunahme) können helfen, negative Auswirkungen des Parasitenbefalls bei Jungrindern zu erkennen. Kommen die Tiere erst spät in der Saison auf die Weide, kann auch in der zweiten Saison eine Untersuchung empfehlenswert sein. 

2. Wann ist die Eizahlbestimmung sinnvoll?

  • Abklärung von Durchfall, Kümmern, Leistungseinbußen
  • Wirksamkeitskontrolle von Entwurmungen (siehe Eizahlreduktionstest)
  • Kontrolle neu zugekaufter Tiere (vor Zukauf oder in Quarantäne)
  • Abschätzung des Infektionsdrucks zu Beginn der Weidesaison (ca. 8 Wochen nach dem Weideaustrieb bei erstsömmrigen Jungrindern)
  • mit Einschränkungen und nur im Zusammenhang mit anderen Kriterien (Klinik, Leistung): für Behandlungsentscheidungen 

Für Einzelfälle oder Wirksamkeitstests sind Einzelproben sinnvoll. Beim Eizahlreduktionstest werden die individuellen EpG-Werte vor und 14 Tage nach der Behandlung verglichen. Für das Gruppenmonitoring sind Sammelproben eine kostengünstige Alternative. Es sollten mindestens 10 Tiere bzw. 10 % der Gruppe beprobt werden. Diese Tiere sollten zu einer Altersgruppe (z. B. Kälber, Färsen, Kühe) gehören und unter gleichen Weide- und Managementbedingungen stehen. Vorsicht mit Kotproben von Tieren mit Durchfall, da die Eiausscheidung durch die beschleunigte Darmpassage verfälscht ist. Am besten separat sammeln. 

Bei Kotuntersuchungen auf MDS sollte eine quantitative Methode gewählt werden, wie McMaster oder Mini-FLOTAC. Letzteres Verfahren ist aufgrund der hohen Sensitivität für einen Eizahlreduktionstest vorteilhaft. Studien zeigen, dass Sammelproben von etwa zehn Tieren die mittlere Eiausscheidung der Gruppe gut widerspiegeln, wenn von jedem Tier die gleiche Menge (z. B. 5 g Kot) in die Probe eingeht.

3. Interpretation der Ergebnisse

Die Eizahl (angegeben in EpG (Eier pro Gramm Kot)) muss vorsichtig interpretiert werden. Es besteht, abhängig von den beteiligten Wurmarten, kein sicherer Zusammenhang zwischen Eiausscheidung und tatsächlicher Wurmbürde. Ausnahme: Jungtiere zu Beginn der Weidesaison. Die Eizählung eignet sich gut zur Einschätzung der Weidekontamination. Hierfür wird eine Beprobung 8 Wochen nach Weideauftrieb empfohlen (Charlier et al. 2022).

Im Herbst können die EpG-Werte der Jungrinder sinken, während klinische Wurminfektionen mit Durchfall oder Abmagerung auftreten. Ursache ist die zu erwartende Ansammlung einer großen Anzahl von MDW-Larven auf den Weiden ab der zweiten Hälfte der Weidesaison, was zu einer hohen Infektionsrate für die Tiere auf diesen Flächen führt, und das Zusammenspiel zwischen Wurmbiologie und individueller Immunität, wodurch Eizahl und tatsächliche Wurmbelastung voneinander abweichen können.

Eizahl-Ergebnisse sollten nie isoliert bewertet werden. In die Interpretation sind Alter, Zeitpunkt in der Saison, Weidehistorie, klinischer Zustand/ Leistung und weitere Daten einzubeziehen. Nur im Gesamtkontext lassen sich fundierte Behandlungs- und Managemententscheidungen treffen.

Ergänzende Diagnostik MDW beim Rind

ELISA (Ostertagia)

Der ELISA-Nachweis basiert auf Antikörpern gegen Ostertagia. Besonders die Tankmilch-ELISA ist eine praktikable und kostengünstige Methode zur Herdenüberwachung im Milchviehbestand Die AK-Bestimmung im Blut kann für die Einschätzung der Belastung der Jungrinder genutzt werden. Die Antikörperkonzentration wird als Optical Density Ratio (ODR) angegeben. Höhere ODR-Werte stehen in Zusammenhang mit geringerer Milchleistung. Werte > 0,5–0,8 (je nach Region) weisen auf ein erhöhtes Risiko produktionsrelevanter Verluste hin. 

Die AK-Bestimmungen dienen vor allem der retrospektiven Betrachtung des Parasitenmanagements der vergangenen Weidesaison. Zusammen mit Weidehistorie, Leistungsparametern und anderen Managementinformationen können Schlussfolgerungen für sinnvolle Anpassungen im Folgejahr gezogen werden.


Diagnostik Lungenwürmer Rind

Die Diagnose des Lungenwurmbefalls basiert hauptsächlich auf den charakteristischen klinischen Symptomen, die die Tiere auf der Weide zeigen. Wenn Rinder auf der Weide husten, ist meist eine parasitäre Bronchitis die Ursache.

Da die Lungenwurm-Larven selten auf der Weide überwintern, sondern in älteren Rindern oder Kühen, können sich Jungtiere erst dann infizieren, wenn sie auf einer Weide grasen, auf der zuvor solche Larven-Ausscheider waren. Auch dies ist ein diagnostischer Hinweis. Ein weiterer Hinweis ist der Zeitpunkt der Erkrankung. Die meisten Ausbrüche parasitärer Bronchitis treten in der zweiten Hälfte der Weidesaison, also ab Anfang August auf.

Die Diagnose einer Infektion kann durch Kotuntersuchungen bestätigt werden. Nach Anzüchtung aus frischem Kot können die ersten Larven der Lungenwürmer im Labor nachgewiesen werden. Allerdings können Jungrinder schon die Symptome einer Lungenwurmerkrankung zeigen, bevor die ersten Larven im Kot erscheinen.


Diagnostik Leberegel Rind

Leberegeleier können im Kot mittels Sedimentationsverfahren nachgewiesen werden. Da Leberegel nicht gleichmäßig ausgeschieden werden, sind Kotproben entweder zu wiederholen oder der direkte Parasitennachweis geschieht über Schlachthofbefunde (oder indirekt durch Messung von Antikörpern in Milch oder Blut). 

Auf Herdenebene gibt die Beanstandung von Lebern bei Schlachttieren einen Hinweis, weiter kann Tankmilch auf Antikörper untersucht werden. Die Bestätigung der Verdachtsdiagnose mittels Labordiagnostik ist eine zwingende Voraussetzung für die Behandlung und Bekämpfung des Leberegelbefalls. Obwohl Leberegelbefall bei Rindern regional gehäuft vorkommen kann, liegen meist individuelle epidemiologische Situationen auf Betriebsebene vor. Deshalb wird empfohlen, eine an die Betriebssituation angepasste Bekämpfung durchzuführen:

In einem erster Schritt muss die betroffene Tiergruppe identifiziert werden: Labordiagnostik sollte bei mindestens 5 Jungtieren (vor der ersten Abkalbung) und bei 5 Milchkühen durchgeführt werden. Bei den Milchkühen sollten vorzugweise die ältesten Tiere untersucht werden, die schon möglichst lange im Betrieb sind. Damit soll unterschieden werden, ob sich Infektionsquellen möglicherweise nur auf Jungtierweiden oder (auch) auf Milchkuhweiden befinden. 

Im zweiten Schritt müssen Weiden auf potentielle Schneckenlebensräume abgesucht werden und in folgende Gruppen eingeteilt werden:

a) Schneckenlebensräume befinden sich nur auf Jungtierweiden oder auf Weiden für trockenstehende Kühe. Weiden für laktierende Kühe sind nicht betroffen.

b) Schneckenhabitate befinden sich auf allen Weiden für laktierende Kühe.

c) Schneckenhabitate befinden sich auf einzelnen Weiden für laktierende Kühe.

d) Schneckenhabitate befinden sich auf Mähwiesen.

Der Befall mit dem großen Leberegel gilt in einer Herde als nachgewiesen, wenn mindestens ein Tier bei einer labordiagnostischen Untersuchung positiv getestet wurde und mindestens ein Schneckenlebensraum auf den Grünflächen gefunden werden konnte. Die Informationen zu Infektionszeitraum und Schneckenhabitaten werden dann für die Entwicklung der betrieblichen Bekämpfungsstrategie genutzt (siehe Wurmarten- Leberegel)


Diagnostik Pansenegel Rind

Die Diagnose wird durch den Einachweis im Kot mittels Sedimentationsverfahren gestellt. Schlachthofbefunde können erste Hinweise geben.



Nach oben